Nebelhorn als Wecker

Ich ahnte es schon, als ich morgens noch im Halbschlaf das Nebelhorn tuten hörte: Das sieht draußen nicht gut aus - und so war es. In Trinity regnete es leicht, nun, mein erster Regen in Neufundland musste ja mal kommen. Dass der Nebel dann aber fast den ganzen Tag anhielt, - na ja. Meinen geplanten Besuch (mit Wanderung) im Terra Nova Nationalpark ließ ich daher ausfallen: Ich komme hier auf der Rückfahrt nochmal vorbei mit viel Zeit. Im Visitor Centre bekam ich aber den Tipp, dann doch die lange Küstenstraße an der nordwestlichen Seite der Bonavista Bay entlang zu fahren, die Strecke sei toll, sehr malerisch, vielleicht würde der Wind ja den Nebel vertreiben. Der Ranger wollte sich über Kilometer nicht auslassen, er zählte Stunden, 3 - 4 zusätzlich. Ich rechnete auf der Karte nach: 240 km additional. Na ja, da ich sonst nichts vorhatte...

Terra Nova NP
 Es war wirklich eine tolle Strecke, immer sehr dicht an der Küste entlang. Leider nahm der Nebel noch zu, teilweise nur 100 m Sicht - schön langsam fahren. Einsam war es auch - im Nebel sieht man ja auch nichts, also es begegneten wenige Autos. Dazu fiel das Thermometer, je weiter ich an die Nordspitze dieser Halbinsel kam, bis auf 3°, es waberte Nebel auf dem Asphalt, ich dachte mit Schrecken an Glatteis, war aber nicht. Zwischendurch klarte es wieder etwas auf, und dann konnte ich mich dem  Fahrstil der Newfies anpassen: 10 - 20 km/h schneller als erlaubt, ich war es leid, immer überholt zu werden. Was stören da die Elche oder Potholes! - alles gut gegangen. An meinem nördlichsten Punkt heute, in Musgrave Harbour, habe ich Pause gemacht, getankt, und diese Bilder geschossen, als Beweis, dass ich dort war.


Der Atlantik führte auch hier Eis mit sich, dazu gab es seine richtige Brandung und, wie man sieht, keine Steilküste. Der Ort besteht aus einigen Häuschen am Meer, am Sand- oder Felsenstrand, wie auch hinter mir, wo ich stehe. Zu sehen war niemand. Die Landschaft und die Stimmung waren atemberaubend. Das Rauschen und das Tuten der Nebelhörner draußen war die Begleitmusik.


Gelegenheit, ein bisschen zu plaudern. - Wie sieht so ein Tankstopp aus? Tankstellen sind hier noch recht dicht, also vielleicht alle 30 km. Sie haben keine Überdachung, einfach 1 -2 Zapfsäulen auf dem Platz (es gibt nur regular, manchmal auch Diesel) und einen Convenient Shop dahinter in etwas, das wir als Baracke bezeichnen würden, kaum Reklame. Da gibt es dann alles Notwendige, inklusive Alkohol (nur in lizensierten Läden) und Lotto. Derzeit ist auch Feuerwerk sehr beliebt, muss irgendeinen Anlass / Fest geben, hab noch nicht gefragt. Coffee to go gibts da auch immer, manchmal auch frische Muffins - und washrooms (Klos), sehr wichtig. In diesen kleinen Läden (mit großen Kühltruhen, es gibt fast alle Lebensmittel eingefroren) trifft man sich dann und tauscht Neuigkeiten aus, jedenfalls habe ich solch einen Tankstellenladen noch nie ohne Besucher und ohne Gespräche erlebt. Zu verstehen sind die Leute hier allerdings kaum, der hiesige genuschelte Dialekt ist für mich weitestgehend unverständlich. Wenn sie mich als Fremden registrieren, wird langsamer und deutlicher gesprochen. In Hotels, Restaurants usw. ist die Verständigung kein Problem. Die Kanadier sind höflich! Je besser das Hotel, desto gewählter die Sprechweise.

In solchen shops habe ich mir dann auch meine Grundausstattung zugelegt, wie ich sie nun im Auto "vorrätig" habe: Trinkwasser (Kanister und Flaschen), Kekse, Lay's Chips, Bagel, Bier, Küchenrolle, - was der Mensch so braucht, sehr praktisch. Gutes Bier haben die hier! Nicht nur das Iceberg Beer von Quidi Vidi Brewery aus St. John's ist lecker. Ich stehe auf Blackhorse, einem kräftigen Neufundländer Bier, natürlich auch aus St. John's. Seafood und Steaks sind sowieso immer bestens. Essen in guten Restaurants ist allerdings recht teuer, halt wie bei uns. Eben habe ich in einem der typischen Business Districts (gibts nur in regionalen Zentren) gegessen: Riesen Parkplätze, dann diverse große Supermärkte für alles mögliche auf dem Gelände verteilt (Platz hat man hier genug), dazwischen eingestreut Schnellrestaurants aller Art, aber auch durchaus gute Restaurants, wie das Steakhaus eben. Da sind die Preise dann eher günstig, das New Yorker Steak war klasse. Mit mashed potatoes, versteht sich. Preise sind (wie in den USA) stets netto angegeben, hinzu kommen in NFL 15 % MwSt (HST) fix (also anders als USA) und 10 - 15 % für den Service, der ist normalerweise nicht included. Die Preise auf der Karte sind also keine Endpreise.

Übrigens ist die offizielle Abkürzung für den Bundesstaat Neufundland - Labrador NL mit gemeinsamer Flagge. Nur Newfies zeigen gelegentlich zusätzlich ihr Grün-Weiß-Rosa!  Die offiziele Flagge muss ich noch mal fotografieren. - So, genug geschwatzt.

Danach ging es dann weiter in wieder bewohntere Gegenden. Die Notre Dame Bay, an deren Ende ich mich jetzt in Grand Falls- Windsor befinde, ist voller Inseln, Schären und kleinen Fjorden, sieht wirklich sehr skandinavisch aus, sogar ohne Nebel!


Es ist offenbar ein beliebtes Freizeitgebiet der Newfies, jedenfalls gibt es sehr viele kleine Sommerhäuschen, mit Boot natürlich. Das touristische Highlight Twillingate ist ganz in der Nähe, ich komme hier in ein paar Tagen also noch einmal lang. Vielleicht habe ich dann auch mit der Sicht mehr Glück. Denn schlecht war das Wetter eigentlich nur zeitweise, überwiegend blieb es bei allem Nebel trocken und im Inland warm, 12°. - Morgen geht es nun weiter in den fabulösen Gros Morne Nationalpark an der Westküste. Bin sehr gespannt, was mich dort erwartet. Heute bin ich jedenfalls durch bereits grüne Birkenwälder gefahren - Tatsache wahr!


Damit habe ich auch alle Fotos von heute hier im Blog gezeigt :-) Gibts auch im Webalbum Trinity noch einmal.

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